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Türkis, flieder, blau und schwarz – so viele Farben zusammen gemischt werden braun. Was passiert denn da? Und was bedeutet das für Frauen*?

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In Graz ist seit Anfang des Jahres eine schwarz-blaue Stadtregierung am Werk. Auf Bundesebene steht eine ÖVP-FPÖ Regierung bevor, die im türkis-blauen Mantel von „Veränderung“ und Neuerungen spricht – dabei bleibt vieles beim Alten – und kommt für viele nach der schwarz-blau Koalition 2000 und den zeitnäheren Vorboten aus Graz nicht unerwartet. 
Das konservativ-freiheitliche Programm führt zu Kürzung von Sozialleistungen, Verschlechterungen für Arbeitnehmer*innen, Mieter*innen, Student*innen  – und trifft häufig Frauen* mit besonderer Stärke. Das Frauen*bild der kommenden Regierung, ganz zu schweigen von ihrem Verständnis feministischer Perspektiven, wollen wir nicht akzeptieren. Wir wollen uns keine beschränkten, einengenden Frauen*rollen überstülpen lassen und uns gegen die realen Auswirkungen von realitätsfernen Politiken wehren. Dabei geht es auch um Frauen*, die im jetzigen politischen Klima doppelt durchzufallen scheinen: Bezieherinnen* von Sozialleistungen, geflüchtete Frauen*, alleinerziehende Frauen*, lesbische, queere und Trans-Frauen*, der unverhältnismäßig hohe Anteil von Frauen* in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen, in der an sich prekären Kunst- und Kulturszene und viele mehr.
 
Wie sieht das konkret aus?
Obwohl es den Regierenden noch nie um Frauen*themen ging, richtet sich die Politik nun explizit gegen Frauen*. 
Auch zur Repräsentation von Frauen* in Machtpositionen trägt die FPÖ wenig bei. Denn nur neun von 51 Regierungssitzen werden durch Frauen* besetzt. Das heißt, dass Frauen*themen und Forderungen dieser – wenn sie überhaupt auf der Tagesordnung Platz finden – vorrangig von Männern verhandelt werden.
Durch die Besetzung der Regierungssitze wird deutlich welche Themen im Gegenzug schon Platz bekommen: fast die Hälfte der Regierungssitze der FPÖ werden durch deutschnationale Burschenschaftler besetzt sein. Burschenschaften stehen für elitäre Männerbünde, deren Weltbild sich aus einem nationalsozialistischen Menschenbild speist und die an veralteten Frauen*bildern und Geschlechterrollen festhalten. Der 0,05% -Anteil von Burschenschaftler an der Gesamtbevölkerung zeigt wie absurd es ist, dass eben sie so viel Macht und Raum im Parlament bekommen sollen, während Frauen* weiter vehement um Gehör und Raum kämpfen müssen.
So wurde unter der ersten schwarz-blauen Regierung auf Bundesebene im Jahr 2000 das Frauenministerium abgeschafft. Seither werden Frauen*themen in verschiedenen Ministerien „mitbesprochen“ –  aktuell unter dem Bundesministerium für Gesundheit und Frauen*.
 
Auch beim Thema Schwangerschaftsabbruch könnte eine FPÖVP Koalition massive Einschnitte für Frauen* bedeuten. Derzeit gilt in Österreich die sogenannte Fristenlösung. Demnach können Abtreibungen in den ersten 16 Wochen der Schwangerschaft durchgeführt werden, obwohl Schwangerschaftsabbrüche im österreichischen Strafgesetzbuch nach wie vor als Straftat angeführt werden. Die Kosten dafür müssen von den Frauen* selbst getragen werden und können eine große Hürde bzw. starke finanzielle Einschnitte darstellen. Sowohl FPÖ als auch ÖVP sprechen sich gegen eine Kostenübernahme durch Krankenkassen aus und beide wollen, dass Abtreibungen weiter im Strafrecht verankert bleiben. Zusätzlich sprachen sich die FPÖ und Teile der ÖVP für eine Zwangsberatung sowie verpflichtende Frist von einigen Tagen zwischen der Entscheidung zu einem Schwangerschaftsabbruch bis zu dem tatsächlichen Eingriff aus. Zusätzlich zu diesen erschwerten Möglichkeiten bei der Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs, sprechen sich beide Parteien gegen gratis Verhütungsmittel aus, welche ungewünschte Schwangerschaften im Vorfeld verhindern könnten.
 
Ein weiterer Punkt bei dem die Regierung vortäuscht sich jenen anzunehmen, die finanziell schlecht dastehen, sind Steuererlasse – für die, die gut genug verdienen. Sebastian Kurz sprach sich im Wahlkampf für den Steuerbonus für Alleinerziehende von 1500€ aus. Dass der Großteil der Alleinerziehenden, aufgrund der Voraussetzung des Brutto Monatslohns von 2300€, keinen Anspruch haben werde verschwieg er elegant. 
 
Was meinen FPÖVP überhaupt mit Frauen*themen?
Frauenpolitik wird in FPÖ und ÖVP-Kreisen meistens mit konservativer Familienpolitik gleichgesetzt. Beide Parteien stehen für den Schutz der heterosexuellen Ehe und sprechen sich gegen die “Ehe für alle” aus, denn diese wird als anatürlich angesehen. Laut dem Familienverband der FPÖ sollten österreichische Frauen* mindestens 3 Kinder bekommen, wobei deren Betreuung in den eigenen vier Wänden stattfinden soll. Denn die Kinderbetreuung zu Hause wird jener in staatlichen Einrichtungen vorgezogen. So plant die FPÖ die klassische Hausarbeit zu entlohnen. Dabei ist die Intention jedoch nicht, dass die oftmals abgewertete Arbeit von Frauen* in ein besseres Licht gerückt wird, sondern die Anreize für Familien zu erhöhen, im klassischen Familienbild zu verweilen. Dies zeigt eindeutig, für welches Frauen*bild die FPÖ steht. 
Noch schlimmer als jenen Kindern, die in Kindergärten betreut werden, ergeht es laut FPÖ Abgeordnetem Anderas Mölzer Kindern, die von homosexuellen Eltern großgezogen werden. Er würde ein Heim solch einer Elternschaft vorziehen. 
 
Noch vor wenigen Jahren waren laute Stimmen aus den FPÖ-Dunstkreisen zu vernehmen, die die Schließung von Frauen*häusern forderten, denn schließlich zerstören diese ihrer Meinung nach Ehen. Die FPÖ sprach sich somit klar gegen einen wirklichen Gewaltschutz für Frauen* aus und negierte die häusliche Gewalt, die viele Frauen* in Österreich tagtäglich erleben. Ihre Tonart in dieser Frage änderte die FPÖ erst, als sie darin eine Möglichkeit zur Hetze erkannten:  die FPÖ meinte nun sehr wohl österreichische Frauen* schützen zu müssen, nun allerdings vor Geflüchteten. Mit dieser Sicht der Dinge schlägt die FPÖ mehrere Fliegen mit ihrer menschenverachtenden Klappe: sie verschleiern ihr konservatives Frauen*bild, welches auf den Schutz von Frauen* pfeift und verbreiten wiedermals rassistische Inhalte während sie sich als edle Retter von Frauen* in Not präsentieren. 
 
Soweit bisher.
 
Was können wir also tun?
Aus all diesen Punkten ist zu sehen, dass es notwendig sein wird sich zusammenzuschließen und sich gemeinsam gegen einen konservativen Rückschritt zu wehren. Politik geht uns alle an, wir sind alle betroffen. Die Geschichte zeigt: Veränderungen sind möglich, schließlich ist die Welt nicht in Stein gemeißelt, und dieser Möglichkeit müssen wir uns wieder bewusstwerden.  Speziell der Kampf um Frauen*rechte ist ein langer und durchwachsener. Bei all dem Frust, der derzeit zu spüren ist, darf nicht vergessen werden, wie viele Ziele bereits erfolgreich umgesetzt wurden – vom Frauen*wahlrecht über immer wieder losgetretene öffentlich wirksame Diskussionen über sexuelle Belästigung von Frauen* und sexuelle Selbstbestimmung bis hin zu beginnende Auflockerung von Geschlechterrollen.
Dem eigenen Unmut kann auf vielerlei Art Raum gegeben werden. Manche bilden Gruppen und tauschen sich über Themen, die sie beschäftigen, aus, manche lassen Kinder mit Bagger und mit Puppen spielen, manche unterstützen alleinerziehende Mütter in ihrem Umfeld bei der Kinderbetreuung, andere gehen auf Demos, andere stärken Menschen im Alltag, deren Lebensweise nicht dem Vater-Mutter-Kind-Ideal entspricht, wieder andere lassen sich am Arbeitsplatz nicht unterkriegen. girlgangsovergraz stellt Flyer und Poster sowie diesen Text zur Verfügung. Diese Materialien könnt ihr ausdrucken, verteilen, an diversen Orten anbringen, um eine Botschaft zu verteilen:
Wir lassen uns weder spalten noch unterkriegen und fordern:
Das gute Leben für alle! 
 

 

 

Jeden Tag 8.März !

In Graz/Gradec hat eine Grrrl* Gang zum 8. März 2017 eine Hausfassade verschönert um auf den patriarchalen Normalzustand aufmerksam zu machen.

Die ungerechten Zustände welche Frauen*Lesben*Inter-* und Trans*- Personen jeden Tag erfahren, sind die Auswüchse dieser sexistischen, patriarchalen und binären Gesellschaftsordnung: Sexualisierte Gewalt jeglicher Art, tägliche Belästigungen auf der Straße oder sonst wo und die ständig reproduzierten Geschlechterrollen dienen dazu zu zeigen wer im Patriarchat die Macht beansprucht und wer sich nachts auf der Straße sicher fühlen darf und wer nicht.
Für uns ist jeder Tag Frauen*kampftag da wir diese beschissenen Verhältnisse endlich stürzen wollen!

Deshalb jeden Tag gegen das Patriarchat und seine Nutznießer! Die Nacht gehört uns!!

Girl Gangs over Murradweg!

Im Juni 2016 hat sich die Unterführung der Schönaubrücke für feministische Kämpfe gewappnet!

 

Kleines aber feines!

Immer wieder bekommen wir per Mail (girlgangsovergraz@riseup.net) kleine, aber äußerst feine Verschönerungen von öffentlicher Räumen zugeschickt.

 

Grrrls on the street!

Im März 2015 wurde den Girl Gangs over Graz von einer anonymen Person für mehrere Wochen diese Werbetafel in Graz zur Verfügung gestellt. Gerne haben wir die Gelegenheit zur nicht-kapitalistischen und anti-sexistischen Intervention genutzt.

 

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Feminismus bleibt antirassistisch!

“Ich muss nicht beschützt werden, es reicht nicht belästigt zu werden!”

 

Die Aktion fand im Zuge der rassistisch geführten Debatte im Kontext der sexualisierten Übergriffe in Köln statt. (Januar 2016)

Girl Gangs over g’schissene Werbung!

the future is female*!

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Im Juni 2016 haben wir uns an den eurozentristischen und patriotischen Plakaten zu schaffen gemacht.

Girl Gangs over adbusting.

 

Falls du Fotos sharen möchtest: girlgangsovergraz[at]riseup.net

Girl Gangs over Fantifa Kongress!

Wir sehen uns kommendes Wochenende am Fantifa-Kongress in Hamburg.
Dort findet ihr auch unsere liebevoll gestalteten Starterkits, die ihr euch mitnehmen könnt.

 

Gewalt gegen Frauen beseitigen!

Street harrassment

“I bin net dei Pupperl!” – Im öffentlichen Raum, also die offene Straße, Parks, Plätze, Unterführungen, sowie Cafés, Clubs, Bibliotheken, Universitäten, Parkplätze, Schwimmbäder und vieles mehr, steht es außer Frage, dass Frauen sich immer wieder (sexueller) Belästigung ausgesetzt und sich dadurch eingeschränkt und verunsichert fühlen.
‘Belästigt’ bezieht sich nicht nur auf (geschlechtsbezogene) Äußerungen,
sondern geht von Arschgreifen über unwillkommene Anmachungen und Kommentare bis hin zu körperlicher Gewalt und Vergewaltigung.
Der Begriff ‘street harrassment’ beschreibt eine Vielzahl von Belästigungen, die verschiedene Formen und Ausmaße annehmen können. Gerade diese Schwierigkeit, ‘street harassment’ zu definieren, zeigt wie persönlich und individuell die Wahrnehmung, Verarbeitung und der Umgang mit Belästigung ist und macht die Auseinandersetzung mit Prozessen und Strukturen, die mit street harrassment einhergehen, umso notwendiger. Frauen*, denen eine solche öffentliche (sexuelle) Belästigung widerfährt, sind keine einheitliche Gruppe. Neben der Reproduktion patriachaler Verhältnisse beschreibt street harrassmant rassistisch, homo- oder transphob motivierte Belästigung, die die Dominanz weißer Heteronormativität untermauern möchte. Frauen* sind nicht nur aufgrund ihres Frau-Seins street harassment ausgesetzt, sondern auch aufgrund ihres Migrantinnen-Seins, als transgender, queer oder lesbische Personen, als Frauen mit Behinderung sowie als sozial ökonomisch benachteiligte Frauen*.

 

Die Aktion

In den beschränkenden, einschüchternden öffentlichen Raum treten girlgangsovergraz mit der street-art Aktion “Bildet Banden” und zeigen Gesicht. Die Aktion bedient sich an dem Konzept ‘streetart’ – eines trotz des Labels ‘subkultur’ männlich dominierten Mediums – gerade deswegen, um sich auf den Straßen Raum zu verschaffen. Die selbstbestimmte und selbstbewusste Abbildung von Frauen* an Orten, wo street harrassment stattfindet, gibt den Frauen* die Möglichkeit zurück, die eigenen Körper in selbstgewählten Posen zu zeigen und so die öffentliche Repräsentation und Wahrnehmung weiblicher* Körper selbst zu gestalten. Treten Frauen* in gesellschaftlich definierten ‘sexy Outfits’ auf, ist dies keine ‘Aufforderung’ zur (sexuellen) Belästigung. Wir wollen uns so zeigen, wie wir uns fühlen, brauchen dafür keine Rechtfertigung und sind schon gar nicht selbst schuld daran belästigt zu werden. My Body is not here for your Entertainment!
Genauso werden die Figuren zu Begleiterinnen* im öffentlichen Raum und fördern die Solidarität mit und unter Frauen*. Durch die individuelle Entstehung der Bilder und die Wahl verschiedener Sprüche wird der persönliche Erfahrungswert der Einzelnen wertgeschätzt, während das gemeinsame Auftreten eine kollektive Plattform darstellt.

Im Vordergrund steht also der persönliche Prozess des Schaffens, die Tätigkeit, das Aktivwerden. Die Aktion ist ein Selbsthandanlegen, eine Selbstbemächtigung, ein Durchbrechen von Kategorien, wer wo in welcher Form auftreten, auffallen, aufbegehren darf – eine Solidarisierung mit jenen, die es tun und mit jenen, denen diese Freiheit nicht gegeben ist.
Um sich selbst in einer selbstbestimmten, starken und teils ‘aggressiven’ Pose zu zeigen, wurde ausschließlich der eigene Körper als Mittel zur Darstellung verwendet. Wir wollen uns nicht an vorgefertigten, gesellschaftlichen Machtsymbolen orientieren. Wir sind gegen eine Vision, bei der sich Frauen, um Stärke zu zeigen, im öffentlichen Raum gewalttätig geben müssen.
Bekämpft das Patriachat, damit der Kampf gegen Gewalt an Frauen nicht mehr nötig ist!

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt gegen Frauen sind die Girl Gangs over Graz am 25.11.2014 zum ersten Mal in Erscheinung getreten.

 


Das Sternchen* wird hier verwendet um zu verdeutlichen, dass es sich nicht um Fremdzuschreibungen, sondern um das Selbstverständnis der jeweiligen Personen handelt. Es sollen alle Personen angesprochen werden, die sich selbst dem genannten Geschlecht zugehörig definieren, unabhängig von der gesellschaftlichen Zuweisung.